Weinprobe im Katané

30. September 2017 von
Guter Wein, gutes Essen, nette Tischnachbarn – ein Weindinner m Katané vom Feinsten. Fotos: Andreas Molau.

Braunschweig. Vittorio Ventura zelebrierte zusammen mit Michele Fajeta einen Weinabend der Extraklasse. Gutes Essen, leckerer Wein und spannende Gäste – was braucht man mehr für einen kulinarischen Abend? 

Zum Start ein Prosecco…

Kurz vor sieben. Braunschweig an der Hagenbrücke. Beim Ristorante Katané herrscht gelassene Betriebsamkeit. Hektik sind Daniela und Vittorio fremd. Denn hier ist Sizilien. Mitten im hektischen Getriebe der Löwenstadt. Und erst recht heute. Nach einigen Jahren hat Vittorio endlich einmal wieder zur Weinprobe eingeladen. Und auch wenn der Prosecco Millesimato »Redentore« 2016 zum Start des genussreichen Abends natürlich aus der Region Venetien stammt, vom Weingut »De Stefani« – der Hauptakzent an diesem Abend liegt auf Weinsorten von der Insel, die mit annähernd dreihundert autochthonen Rebsorten die önologische Herzkammer Italiens darstellt. In Sizilien verbinden sich griechische und römische Kultur, und am Ende ist die Prägung des Orients nicht zuletzt bei Zutaten und Speisen zu spüren. Sizilien ist von der Muse geküsst und hat alles, damit nicht nur Trauben reifen können. Berge, Sonne, Meer, Vulkanboden und Menschen, die in Jahrtausenden gelernt haben, was man aus dem Boden herausholen kann. Gegen 19 Uhr füllt sich das Ristorante, Vittorio Ventura lugt aus seiner Küche und sieht die bunte Palette der Italienliebhaber: Gestandene Semester, die noch erlebt haben, wie man mit einer Isetta und Wohnwagen über den Alpenpass zuckelt. Das altersmäßige Mittelfeld, das seine Kindheitsferien schon mit den Eltern dort verbracht hat, wo die Zitronen blühen und junge Pärchen, die den Weinabend für eine romantische Verabredung nutzen.

Daniela und Vittorio mit Michele Fajeta, der den Wein präsentierte.

 

Ein Prosecco aus Venetien

Michele Fajeta vom EVM Weindepot aus Salzgitter stellt die Weine des Abends vor – mit charmantem italienischen Akzent und viel Sachkunde. Bevor Vittoria Ventura von seiner Familie Perlen sizilianischer Kochkunst servieren lässt, die er sonst bei seinem »Kultessen« präsentiert, stellt Michele den Prosecco vor, der im dämmrigen Licht des Ristorantes trotzdem noch strohgelb leuchtet. Der »Redentore« enthält keine zugesetzten Sulfite, erklärt er, während die Gäste schon einmal das Bouquet des frischen Aperitifs wahrnehmen können. Die Beschreibung weist den »frischen Duft nach Brotkruste« aus – und das kommt tatsächlich hin. Unter dem knackigen Bouquet entfaltet sich dann aber auf dem Gaumen eine angenehme Säure. Ein Tischnachbar macht eine leichte Muskatnote aus. Andere loben die Frische. Wie das bei einer Weinprobe ist: Ein Verweilen ist nicht möglich. Denn mit der ersten Vorspeise – eine Fischplatte – kommt auch der erste Weiße. Der Roceno Grecanico ist ein sortenreiner Wein – nach der gleichnamigen Traube benannt – und passt bestens zu den kleinen Fischhäppchen. Leichte Anklänge an Maracuja sind in dem unkomplizierten, jungen Wein auszumachen, der sechs Monate im Stahltank gereift ist und ein Tropfen für den Augenblick ist. Besonders erwähnenswert ist bei den Variationen für Fischvorspeisen der Zackenbarsch, der mit einem Hauch von Lakritze zum Hochgenuss wird.

Fischvorspeisen.

Gutes Essen, entspannte Atmosphäre

Die Gespräche werden entspannter. Michele Fajeta spricht über Wein und Boden, über Herstellung und Aromen, und über die alte Frage: Welcher Wein passt zu welcher Speise. Zum gegrillten Gemüse wird ein satter, aber frischer Frappato gereicht – natürlich ein Sizilianer. Er ist Beweis dafür, dass Rote nicht immer schwer und holzig sein müssen. Zu den Steinpilzen etwa harmoniert der leicht fruchtige Wein, der aber keineswegs flach ist. Vittorio Ventura schwört auf die authentische, einfache Küche. Und so kommt dann ein Pistazien Risotto, das Schmelz und Delikatesse vereint. Dazu passt der ebenfalls leichte, aber durchaus fruchtige Cataratto Lucido, der wie der Prosecco zu Beginn strohgelb im Glas schimmert. Leider kann man bei einer Weinprobe nicht verweilen – aber Michele Fajeta macht – während nach dem Risotto noch Steinpilzraviolis serviert werden – darauf aufmerksam, dass die Weine des Abends über das Katané natürlich auch zu beziehen sind. Das gilt auch für die Cuvee aus Syrah und Nero Davola die zum Fleischgang serviert wird – Lammkarree und Angus Rindfleisch, hochdünn geschnitten. Nach den leichteren Weinen ist das ein echtes Schwergewicht, das den Abend beschließt, bevor das Dessert zu einem hocharomatischen Amaretto gereicht wird. Vittorio serviert seine berühmten Cannolis, die mit schmelzender Ricottacreme gefüllt sind.

Zum gegrillten Gemüse gab es einen Roten.

Man trifft nette Menschen

Der Abend geht in ausgelassener Stimmung zu Ende. Auch an unserem Tisch, wo die heitere Stimmung immer wieder durch Kamera und Leuchtmittel gestört wird, die die Speisenfolge dokumentieren. Das Ganze wird von den Tischnachbarn in entspannter Gelassenheit quittiert. Ein Braunschweiger Architekt mit seiner Familie, Jahrgang 1930, erzählt von Italien, Opern, von Geschichte und Gegenwart und erinnert an diesem Abend daran, dass gastronomische Orte eben auch Orte der Begegnung sein können. Im Katané trifft man interessante Menschen. Und das ist, neben dem guten Essen und Wein, ein Grund, dort wieder einzukehren.

Ein Pistazien-Risotto.

Leckere Steinpilz-Ravioli.

 

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