Testessen: Spannende Location – gutes Preisleistungsverhältnis

5. November 2017 von
In der Burg- und Schlossanlage Westerburg finden Kulinariker der Region das Restaurant Prinzessin Marie Pauline. Nicht aufgesetzt, nicht überkandidelt. Solide Gastronomie bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Fotos: Marc Angerstein

Region. Die älteste noch erhaltene Wasserburg Deutschlands steht nicht nur direkt am Rand unserer Region, sondern beherbergt auch das Restaurant „Prinzessin Marie Pauline“ unter einem gotischen Kreuzgewölbe. Unsere regionalKulinarisch.de-Testesser tafelten in der Westerburg.

In der Gemeinde Huy in Sachsen-Anhalt, direkt an der Grenze zu den Landkreisen Wolfenbüttel und Helmstedt, liegt der nach der Immobilie benannte Ort Westerburg mit unserem Test-Restaurant. Wie eine kleine Zeitreise mutet unser Besuch hier an. Der Weg in diese Burg lohnt sich auf jeden Fall, zu jeder Tages- oder Jahreszeit. Unser Bild zeigt den Bereich des Restauranteingangs im zweiten Innenhof der Schlossanlage. Die Regensteiner Grafen bauten sie nach 1180 zu einer ihrer stärksten Festungen aus. Das geschichtsträchtige Objekt, das 1599 auch Herzog Julius von Braunschweig zufiel, hat viele Gäste aus unserer Region Braunschweiger Land, wie die Kennzeichen auf dem Parkplatz davor suggerieren. Im Sommer 2000 wurde die Burg als Vier-Sterne Superior Hotel nach umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen eröffnet.

Ein Gruß aus der Küche, Mini-Käse-Spieße mit Weintrauben, eröffnete unseren Abend. Die Stoffservietten wanderten auf den Schoß. Unsere Gläser wurden mit Wasser und 2016 Gelber Muskateller vom Weingut Lergenmüller gefüllt. Beide Getränke fanden wir bei Beginn zu warm, erst als der mit Eiswasser gefüllte Weinkühler seinen Dienst tat, entfaltete der Wein seinen Geschmack. Die Renaissance einer – zur Burg gut passenden – sehr alten Rebsorte entwickelt ein druckvolles, sehr charakteristisches Fruchtspiel von Holunder und Litschies, präsentiert von einem extraktreichen Körper, bei ausgereifter guter Säurestruktur und einem feinen Schmelz am Gaumen. Der Begriff „Feinherb“ auf der Flasche täuscht. Der Wein kommt eher süßlich daher. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber passend zu den herbstlichen Gerichten des Abends. Und der Preis passte auch: 25,50 Euro die Flasche.

Los ging unser Vier-Gang-Menü mit einer sehr schmackhaften „Gemüsebrühe Westerburg“ mit Gemüsestreifen. Danach wurden hausgeräucherte Entenbrusttranchen mit Rucola und Aprikosen-Tomatenvinaigrette serviert. Schön angerichtet und lecker, obwohl die Vinaigrette kaum merklich war. Und der Rucola entpuppte sich als Lollo Rosso und Lollo Bionda. Wir haben diese Abweichung nicht reklamiert.

Der Hauptgang: Bissfeste Spaghettini in fruchtigem Kürbisrahm, nicht zu sahnig. Darauf als gelungener geschmacklicher Kontrast mit Frischkäse gefüllte sonnengetrocknete Tomaten. Eine Glosche sorgte auf dem Weg von der Küche zu unserem Tisch für den Erhalt der Temperatur. Dieses vegetarische Herbstgericht war deshalb noch sehr heiß, als es serviert wurde. Das erleben wir selten. Ein klarer Pluspunkt.

Als Dessert wurde ein Mousse von weißer und dunkler Schokolade an Kirschcocktail serviert. Das dunkle Mousse war im Gegensatz zum Weißen sehr süß. Nach unserem Geschmack zu süß. Die Fruchtigkeit des Kirschcocktails war sehr ausgeprägt. Eine sehr gute Symbiose aus Mousse und Frucht.

Das Vier-Gang-Menü wurde mit 31,50 Euro pro Person berechnet. Durchaus angemessen. Der Service war zufriedenstellend, fast fachmännisch ausgeführt. Es waren Kleinigkeiten in der Besteckfolge, die nicht passten und der Wein wurde bei zwei bestellten Flaschen nicht nachgeschenkt. Motto: Selbst ist der Gast, schließlich stand der Weinkühler in direkter Griffweite am Tisch. Trotzdem vergeben wir für dieses Testessen, gerade auch in Bezug auf das Preis-Leistungsverhältnis, vier von fünf Leckerrrr-r`s. Und die Location spricht für sich…

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