Testessen: Restaurant am BernsteinSee – solide und lohnenswert

16. Januar 2019 von
Fächerservietten und Stumpenkerzen im Restaurant am BernsteinSee. Fotos: Marc Angerstein

Sassenburg-Stüde. Das Restaurant am BernsteinSee, das in das gleichnamige Hotel integriert wurde, gilt schon seit langem als Geheimtipp im Raum Gifhorn und der Südheide. Landschaftlich reizvoll am künstlich entstandenen Bernsteinsee gelegen, zieht es gerade in den Sommermonaten zahlreiche Besucher an. Aber lohnt sich der Weg auch jetzt in der dunklen Jahreszeit? Das wollen unsere regionalKulinarisch.de-Testesser herausfinden und besuchten das Restaurant – wie immer unerkannt und unangekündigt. 

Von außen ein eher nüchtern wirkender Zweckbau. Dann überrascht das Ambiente im Inneren: Wechselnde Anmutungen bei der Einrichtung, von Antiquitäten bis hin zu modernen Elementen, ein Händchen bei der Auswahl von Accessoires und Dekoration und natürlich ein toller Blick auf den See, in dem sich der Mond spiegelte.

Klassisch-traditionell eingedeckt, Stumpenkerze und Fächerserviette. Eine gebundene Hauptspeisekarte, saisonale Angebote auf Papier und Zusatzangebote auf Kreidetafeln. Bei der Auswahl des Menüs wird den Gästen Koordinierungsvermögen abverlangt. Am Tisch eine Bedienung, der schon gleich bei der Weinempfehlung anzumerken war, dass sie nicht vom Fach ist. Das machte sie aber sehr schnell mit Aufmerksamkeit und Freundlichkeit wett. Eine Dame, die unsere Testesser am Ende des Abends in ihr Herz geschlossen haben, so wie sie kleine Unzulänglichkeiten geschickt weg lächelte.

Der ausgewählte Wein „2017 Grauburgunder“ vom Weingut Villa J.L. Wolf von Ernie Loosen aus der Pfalz liegt auf Eis. Ein moderner Weinkühler steht auf dem Tisch, was uns das (leider notwendige) eigenhändige Nachschenken des Grauburgunders einfach machte. Tolle Farbe im Glas, die Nase zeigt Früchte wie Maracuja, Pfirsich, Physalis, Limette und Orangenschale. Unterlegt wird all das von einer mineralisch-salzigen Note. Am Gaumen folgt dann ein frisches Potpourri mit einer feinen und elegant abgestimmten Süße und Fruchtsäure. Die Temperatur stimmig. Der Preis angemessen: 0,75 Liter für 21,50 Euro.

Vorweg: Ein Körbchen mit Schmalz – offenbar Standard im Restaurant am BernsteinSee. Acht Scheiben für drei Testesser. Neun wären besser, sechs hätten es auch getan, dann wäre der nicht entflammte Streit vermeidbar gewesen. Aber das Mehrkorn-Baguette war frisch geschnitten und in der Kombination mit dem Schmalz und etwas Salz eine gute Grundlage und Einstimmung für das, was noch kommen sollte.

Vorweg sollte „Cremesuppe vom Hokkaidokürbis, leicht mit Ingwer aromatisiert und mit Croutons serviert“ werden. Doch statt dieser mit Croutons angepriesenen Suppe wurde sie mit leicht gerösteten Kürbiskernen und einer zerlaufenen Sahnehaube gereicht, was zwar nicht der Erwartung entsprach, aber unseren Testessern sogar besser gefiel. Geschmacklich einwandfrei, fruchtig mit leichter Schärfe. Aber auch mit einem stolzen Preis: Die Tasse wird mit 6,90 Euro berechnet.

Der erste Hauptgang: Gänsekeule, nappiert mit Orangen-Jus, auf hausgemachtem Rotkohlbeet, dazu Kartoffelklöße mit brauner Semmelbrösel-Butter (19,80 Euro).

Der zweite Hauptgang, ebenfalls typisch für die Region: Hirschbraten aus der Keule mit Wacholderrahmsauce und Apfel-Blaukraut (22,90 Euro). Beide Gänge waren klassische Tellergrichte, aber schön fürs Auge  angerichtet. Sehr schmackhaft. Wir hätten uns für beide Gerichte ein bisschen mehr Sauce gewünscht. Das haben wir dann auch und sie kam prompt. Ohne Nachberechnung.

Das Dessert „Zweierlei von der Birne“: Das hausgemachte Küchle mit Biskuitboden und Birnenmousse gesetzt am Himbeersorbet. Dieser süße Abschluss schlägt mit 9,90 Euro zu Buche.

Das zweite Dessert „Mousse au chocolat“ wurde auf Beerenragout serviert. Der Preis: 6,50 Euro. In beiden Fällen ein gelungener Abschluss des Testessens.

Die Reise an den Bernsteinsee war ein lohnenswert kulinarischer Ausflug. Die Bewertung des Gesamteindrucks, mit ausgeprägtem Bezug auf Service, Qualität der Speisen und Getränke sowie auf das Preis-Leistungsverhältnis unserer Testesser wird mit 4,4 bewertet, als gerade knapp an fünf von fünf Lecker-r vorbei geschrammt. Die Empfehlung unserer Redaktion lautet auch hier: selbst ausprobieren und sich ein eigenes Bild machen. Enttäuscht werden Genießer im Restaurant am BernsteinSee auf gar keinen Fall. Die Leistung ist solide und der Besuch durchaus lohnenswert.

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