Testessen: Das Saphir überzeugte mit allem – auch mit dem Preis

22. Februar 2018 von
Unsere Testesser besuchten das Gourmetrestaurant Saphir in Wolfsburg. Fotos: Marc Angerstein

Wolfsburg. Das Gourmetrestaurant Saphir finden Kulinariker und Genießer der Region etwa drei Kilometer vom Wolfsburger Stadtzentrum entfernt, in ländlicher Umgebung gegenüber der im Jahre 1370 erbauten Wasserburg Neuhaus. Im dortigen „Best Western Premier Hotel An der Wasserburg“ befindet es sich in einem geschmackvoll restaurierten Gewölbekeller. Bei stimmungsvoll gedämmten Licht, umgeben von historisch anmutenden Sandsteinwänden und farblich abgestimmten Interieur können die Gäste nicht nur ein besonderes und hochwertiges Geschmackserlebnis genießen, sondern das auffällig  junge und locker agierende Küchenteam dabei visuell begleiten. Während die kulinarischen Genüsse zubereitet werden gewährt eine Glasscheibe tiefe Einblicke in die Küche.

Unsere Testesser haben neben diesen Einblicken auch viele Eindrücke gesammelt. Wir haben uns für das aktuelle Acht-Gang-Menü entschieden und eine dazu passende Weinbegleitung gewünscht. Wir nehmen vorweg: Alle Weine harmonierten perfekt zu der Menüfolge, manche überraschten sogar. Der Service war erstklassig und hatte sich schnell auf die lockere Art unserer Mitarbeiter eingestellt.

Zur Einstimmung gab es hausgebackenes Knäcke- und Kartoffelbrot mit einem kleinen „Gartenbeet auf Kräutercreme“, dass sehr dekorativ auf einem Stein und Moos angerichtet wurde. Dazu gab es hochwertiges Olivenöl zum „tunken“.

Die „Ouvertüre on the Rocks“ bestand aus Thunfisch-Tartar und Thunfisch gebraten mit Koriander…

…und „Omas Waldorfsalat“, zur Überraschung aller in Form eines Macarons auf einem Sesambett. Eine insgesamt sehr gelungene Einstimmung, die auf Empfehlung des Hauses mit einem 2016 Goldmuskateller aus dem pfälzischen Weingut Pfannebecker begleitet wurde. Gute Wahl: Trocken ausgebaut mit klaren fokussierten Fruchtaromen und feiner Würze.

Der erste offizielle Gang „Poseidons Garten„, Carabiniero mit Gurke und geeistem Feta war im Zusammenspiel der Aromen ein ganz besonderes Geschmackserlebnis. Diese tiefrote Riesengarnele wurde nicht etwa von Kaviar begleitet, was der geneigte Betrachter des Bildes vermuten könnte, sondern von Senfkörnern. Gereicht wurde dazu ein 2016 Müllerturgau aus dem Weingut Stahl. In der Nase erinnert der Wein an reife Pfirsiche und gelbe Citrusfrüchte. Die dezente, erfrischende Würze und die angenehme Säure dieses trockenen Weines passten sehr gut zu diesem Gang.

Nicht Einerlei war uns das „Allerl-Ei„. Das Bio-Ei wurde als zweiter Gang umrahmt von Kräutern mit Shitake, einem ostasiatischen Duftpilz serviert. Naturheilkundler bezeichnen ihn auch als „Gesundheitspilz“, uns hat er in der Gesamtkombination einfach nur gut geschmeckt. Toll angerichtet, begleitet von einer 2015 Scheurebe vom Winzer Sebastian Schäfer (Weingut Joh. Bapt. Schäfer, Nahe).
Ein wirklich finessenreicher Wein, dessen blühende Lebendigkeit uns zum Trinken animierte. Klare Frucht und eine natürliche Aromenvielfalt.

Der dritte Gang „Perlentaucher“ entpuppte sich als Jakobsmuschel, also als das größte und schmackhafteste Meeresfleisch unter den essbaren Muscheln. Alles auf dem Teller deutete dekorativ darauf hin. Zusammen mit der zur Sonnenblumenfamilie gehörenden Pflanze Topinambur und Nuss ein – das reimt sich jetzt – Genuss. Dazu wurde ein trockener 2016 Weißburgunder x Auxerrois (Dr. Crusius, Nahe) eingeschenkt. Dieser Cuvée passte sich diesem Gang förmlich an und war keinesfalls aufdringlich, denn er vereint die Aromatik des Auxerrois mit der Eleganz des Weißburgunders. Betont säuremild, dennoch kräftig im Geschmack. Welche Jakobsmuschel möchte nicht darin baden?

Unter dem Namen „Wintergemüse“ wurden als vierter Gang Schweinebauch mit Miso, Schwarzwurzel und Grünkohl serviert. Insgesamt intensiv im Geschmack, sehr gelungen. Dazu ein tiefschwarz wirkender 2015 Cuvée mit dem Namen „Ursprung“ vom Weingut Schneider. Ein tolles Bukett von Pflaume, Cassis, Paprika, Pfeffer, Graphit, Kakao, Minze und Veilchen. Am Gaumen wirkte der Wein frisch und saftig, mit viel Frucht und Finesse. Kein schwerer Wein, gut gewählt.

Tom ka Gai„: Pulpo, als wirbelloser Tintenfisch in der mediterranen Küche gern verwendet, in Kombination mit Pfahlmuschel, Meeresgewächsen und Rübchen. Ein wahrlich leckerer asiatisch anmutender fünfter Gang. Dazu 2015 Chardonnay Dürkenheiner Spielberg vom Weingut Fritz Ritter. Dank seiner vom pfälzischen Boden stammenden Mineralität besitzt dieser Wein eine außergewöhnlich aufregende Struktur. Dabei vereinen sich Honigmelone und gelbe Birne mit aufregenden Tropenaromen zu einer exotischen Note. Ideal zu diesem Gang.

Danach zog ein „Passatwind“ auf. Der tropischer Ostwind, der in Richtung Äquator weht, war der Namensgeber für den sechsten Gang. Die barschverwandte Rotbarbe landete kurzerhand aus dem Meer auf einem schmackhaften Kräuterspiegel, dazu Calamaretti und eine besonders weich servierte Kartoffel mit Schnittlauch. Sehr gelungen, überraschende Konsistenz, geschmacklich wunderbar. Der badische Grauburgunder „RS“ 2014 vom Kaiserstuhl des Winzers Salwey harmonierte perfekt mit dem Passatwind auf den Tellern. Wie füreinander geschaffen.

Ein fruchtiges Sorbet unterbrach überraschend die Gangfolge…

…bevor der offizielle siebte Gang serviert wurde. Ein zartes Filet vom „Weidekalb„, angerichtet mit schmackhaftem Mais und Bohnen an einer köstlichen Terrine. Ein wahrer Gaumenschmaus, zu dem ein Chianti aus der Toscana die Zunge zusätzlich verwöhnte. Im Anschluss gab es ein Pre-Dessert, also ein Überraschungsdessert vor dem eigentlichen Dessert, dass uns gut gefiel und auf „Süßes“ einstimmte. Dabei handelte es sich um eine hauchdünne keksartige Platte, die nach dem gewollten Zerstören mit einer Kaffeecreme vermengt, ein Fest für die Geschmacksnerven war. Dazu wurde ein Sherry „Creme“ gereicht.

Das eigentliche Dessert, der achte und letzte Gang, trug den Namen „Arbeit Kochen Leidenschaft“. Leidenschaft trifft es wohl sehr gut: Pastinake trifft leidenschaftlich auf Schokolade und Apfel. Eine interessante Kombination, und wohlschmeckend darüber hinaus. Unkonventionelle Gourmets trinken dazu einen Sekt aus dem Schloss VAUX, einen trockenen Pinot Blanc. Und so taten wir es auch.

Zum anschließenden Kaffee wurde uns unter dem Motto „Kindergeburtstag“ ein süßer Ausklang kredenzt. Alten Traditionen folgend und in der Wasserburg gegenüber sicher praktiziert, nennt der Experte so das Vorkosten in Adelshäusern des Mittelalters. Wenn süße Abschlüsse von Gourmet-Menüs immer so überraschend bunt, lecker und nicht übertrieben süß daherkommen, melden wir uns gern freiwillig als Vorkoster. In der dekorativen Anmutung eines Kindergeburtstages von bunten Bällen bis zu Lutschern, hatten wir noch nie ein süßes Finale genießen dürfen.

Wir fühlten uns sehr wohl und wahrgenommen im Saphir, der Service war locker-professionell, herzlich und nicht steif, wie in vielen Gourmet-Restaurants dieser Klasse üblich. Hier stimmte einfach alles, das Ambiente, die Qualität und auch der Preis: Das Acht-Gang-Menü kostet 133,00 Euro pro Person. Die begleitenden Weine wurden mit 15,00 Euro pro Gang berechnet, also mit 120,00 Euro pro Person. Wasser und Kaffee wurden zu marktüblichen Preisen serviert, so dass unsere Testesser sogar noch beim Bezahlen sehr zufrieden waren. Das Saphir begeisterte uns so, dass wir dem Gourmet-Restaurant fünf von fünf Lecker-r zuerkennen und bestimmt noch einmal zu Besuch sein werden. Aber nicht zum Testessen, sondern ausschließlich zum Genießen und Wohlfühlen. Das geht da nämlich…

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