Testessen: Das Ghandi überzeugt – Essen wie in Indien

14. Mai 2018 von
Unsere Testesser waren in Braunschweig indisch essen. Foto: Marc Angerstein

Braunschweig. Die regionalKulinarisch.de-Testesser besuchten das Indische Restaurant Gandhi von Atiqur Rahmann in Braunschweig. Eine umfangreiche Auswahl an leckeren Speisen, ein sehr bemühter Service und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ghandi. Chutney. oben Tomate-Ananas, rechts Kräuter-Koriander, links Kokos-Joghurt. Foto: Marc Angerstein

Willkommen in Indien: oben ein Tomate-Ananas-Chutney, rechts ein Kräuter-Koriander-Chutney und links ein Kokos-Joghurt-Chutney zur Vorspeise. Foto: Marc Angerstein

Das freundliche Lächeln des indischen Servicepersonals ist sehr einnehmend und gewinnend. Der uns zugewiesene Tisch, direkt vor einer der zwei Arbeits- und Getränketheken „ging so“, wegen der Störgeräusche. Es gibt bessere Tische. Einfache Dekoration, aber sauber. Das Besteck poliert. Die Getränkebestellung bei einer jungen Inderin und das Überreichen der Speisekarte in einem Arbeitsschritt. Aber mit diesem ganz besonderen Lächeln, dass uns über den gesamten Abend begleitete. Mal verlegen, mal einfach nur freundlich – aber nie aufgesetzt oder übertrieben.

Der Gruß aus der indischen Küche: Dünne Teigplatten, wohl Papadam mit einem kleinen Schälchen gewürzter Joghurtsoße. Die Speisekarte bildet viele regionale Gerichte und Kochstile Indiens ab, die die Vielfalt der Gewürze und das Verwenden scharfer Soßen einbezieht. Aber empfindliche Gaumen können auch fast alle Speisen mit dem Zusatz „mild“ bestellen.

Ghandi. Lamb Kebab. Foto: Marc Angerstein

Unsere Vorspeise: Lamb Kebab. Foto: Marc Angerstein

Unsere Wahl fiel auf Lamb Kebab. Der Begriff „Indische Bouletten“ wird dieser Vorspeise nicht gerecht. Eine andere Form in der Optik und viele frische indische Kräuter im Innenleben. Serviert wurden fünf hausgemachte Bällchen aus Lammgehacktem. Sehr schmackhaft. Der angelegte einfache Salat wirkte sehr dekorativ. Für einen Beilagensalat war er zu groß, für einen „gemischten Salat“ zu klein und fiel im Kontrast zu den leicht pikanten Lammfleisch naturgemäß geschmacklich stark ab. Das lag an den drei zum Lamm gereichten Chutneys: „Tomate-Ananas“, „Kokos-Joghurt“ und „Kräuter-Koriander“. Typisch indisch, fruchtig-würzig-lecker. Der Preis: 6,50 Euro.

Hauptgang mit Rosinen

Ghandi. Lamb Badami Masala. Foto: Marc Angerstein

Hauptgang: Lamb Badami Masala. Foto: Marc Angerstein

Geschmacklich so eingestimmt freuten wir uns auf den Hauptgang. Anders als in der indischen Küche, in der Fleisch oft nur eine untergeordnete Rolle spielt, kam viel Fleisch. Wieder Lamm. Zarte Lammfilet-Stückchen mit frischen Champignons, Mandeln und Cashewkernen in Joghurt-Safran-Soße mit Rosinen. Ein wahres Geschmackserlebnis mit dem Namen Lamb Badami Masala. Augen zu und genießen. Es schmeckt, als wäre der Kulinariker nicht in der Schöppenstedter Straße der Löwenstadt, sondern irgendwo zwischen dem Himalaya und der Südspitze Indiens. „Smekkt gut?“, war zu vernehmen. Schnell die Augen wieder auf: Da ist sie wieder, die stets lächelnde indische Bedienung – und unsere Antwort: „Ja, sehr sehr gut!“

Ghandi. Reis. Foto: Marc Angerstein

Reis, in Deutschland eine Sättigungsbeilage, in Indien ein Hauptnahrungsmittel. Foto: Marc Angerstein

Sehr gut ist auch der Preis. Mit 22,90 Euro nicht das günstigste Gericht auf der Karte, aber völlig angemessen für wirklich zarte Lammfilet-Stückchen, die auf einem Echtfeuer-Rechaud warm blieben, bis zum letzten Happen. Dazu eine große Schale eines der indischen Hauptnahrungsmittel: Reis. Besonders bekannt ist in Deutschland die langkörnige Sorte Basmati. Für die alltägliche Ernährung wird in Indien jedoch eher die mittelkörnige Sorte Sona Masuri gekocht. Um welchen Reis es sich im Ghandi handelte, wissen wir nicht. Aber er war sehr locker und körnig – überhaupt nicht klebrig. Er rieselte von der Gabel, solange er keine Verbindung mit der Joghurt-Safran-Soße bildete.

Dessert zum Trinken

Ghandi. Mangolassi. Foto: Marc Angerstein

Mangolassi. Foto: Marc Angerstein

Zum Nachtisch wird in Indien traditionell oft Obst gegessen. Auf der Karte stehen aber auch zahlreiche Süßspeisen, die wir alle nicht bestellt haben. Zu groß war unsere Sorge zu platzen, denn wir waren nach Vorspeise und Hauptgang schon gut gesättigt. Wir wandelten ein normales indisches Getränk zu einem selbst erklärten Dessert. Erfrischt haben wir uns mit einem Mangolassi, einem Getränk aus Joghurt, Milch und Mango. Das Glas mit Strohhalm – auf befremdlich wirkenden Pappbierdeckel – für 3,90 Euro. Gute Entscheidung. Nicht süß sondern fruchtig-mild.

Beim Zahlen blieben wir der Mango treu. Es gab einen Mango-Schnaps auf Kosten des Hauses. Gutes Essen, große Portionen, sehr freundliche Bedienung. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Immer ein Besuch wert. Lange ein Geheimtipp – heute ohne Reservierung kaum realisierbar. Dem Ghandi fehlt es eigentlich nur an einem Auge fürs Detail bei Dekoration und Anmutung. Und das nachgedeckte Besteck zum Hauptgang lag nicht in der richtigen Reihenfolge. Aber dafür wurde verlegen gelächelt. Wir vergeben für unseren Besuch ein „Leckerrrr“ mit vier von fünf zu vergebenen „r´s“.

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