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Klöckner: Gebt mehr fürs Essen aus!

Ein Appell der Ministerin auch an die Verbraucher in unserer Region, mehr Geld für Essen auszugeben

von Marc Angerstein


Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner.
Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner. Foto: CDU Rheinland-Pfalz

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11.01.2020

Region. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat heute in Berlin an die Bürger appelliert, mehr Geld fürs Essen auszugeben. Mit einem Anteil von weniger als zehn Prozent des Haushaltseinkommens lägen die Deutschen am unteren Ende der Europäischen Union, sagte Klöckner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die Ministerin sagte der Zeitung, sie fände es gut, dass sich die Menschen heute mehr als früher für die Methoden der Tierhaltung interessierten. „Dann müssen sie aber auch wissen, dass das mehr kostet und sagen: Ich esse vielleicht nicht mehr jeden Tag Fleisch, dafür aber besseres.“ CDU-Politikerin kritisierte zugleich die Preispolitik der Supermärkte beim Fleisch. Es sei unanständig, die Kunden mit Dumpingpreisen in die Läden zu locken, damit sie dort auch andere Produkte kaufen. Dies verderbe alle Maßstäbe, so Klöckner.

„Für ein ordentliches Motorenöl zahlen Autofahrer bereitwillig 40 Euro pro Liter, beim Salatöl sind zwei Euro schon zu viel. Da stimmt doch etwas nicht.“

- Julia Klöckner, CDU, Bundeslandwirtschaftsministerin



Das Thema ist nicht neu. Der Niedersächsische Landesbauernverband teilte bereits vor knapp einem Jahr mit, dass die Bereitschaft der Verbraucher, für Fleisch von Tieren, die tiergerechter als üblich gehalten worden sind, mehr Geld auszugeben, offenbar spürbar überschätzt wird (regionalKulinarisch.de berichtete). Darauf lassen Praxistests im Rahmen einer Studie schließen, die von der Hochschule Osnabrück unter Leitung von Prof. Ulrich Enneking durchgeführt wurden. Unterstützt und finanziell gefördert wurde die Untersuchung von der Initiative Tierwohl (ITW).

Studie: Nur 16 Prozent der Verbraucher sind bereit teureres Fleisch zu kaufen



Lediglich 16 Prozent der Einzelhandelskunden sind dieser Studie zufolge tatsächlich bereit, an der Selbstbedienungstheke das teurere Tierwohl-Fleisch statt Standardware zu kaufen. Laut Hochschulangaben hatten bei den Tests in den Supermärkten die Tierwohl-Siegel nicht durchgängig einen positiven Einfluss auf die Kaufbereitschaft der Verbraucher. Zudem seien lediglich Preisaufschläge von etwa 30 Cent für ein Fleischartikel aus dem mittleren Preissegment bei Schweinefleisch akzeptiert worden, der nach Tierwohlstandards produziert worden sei. Damit verbunden wäre je nach Ausgangspreis des Artikels ein um neun bis 13 Prozent höherer Preis.

Enneking zeigte sich schon seinerzeit „überrascht“ von den Ergebnissen der Studie. Er verwies auf bisherige Umfragen, denen zufolge Verbraucher grundsätzlich bereit seien, „deutlich mehr Geld“ für Fleisch auszugeben, wenn es nach höheren Tierwohlstandards produziert worden sei.

„Wir wissen jetzt, dass die beobachtete Realität beim tatsächlichen Kaufverhalten differenzierter und komplexer ist“, erklärte der Osnabrücker Hochschullehrer. Die grundsätzliche Bereitschaft, im Test mehr Geld für solches Fleisch auszugeben, sei „nur bedingt ausgeprägt“ gewesen.


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