Ein mediterraner Spieß im Restaurant Athen

30. Juni 2016 von

Im Braunschweiger Restaurant Athen gehen Petra und Nikolaos Patsiaouras auf die alten Hirtentraditionen in Griechenland zurück und servieren einen köstlichen, gegrillten Spieß.

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Gefühlt ist immer gutes Wetter, wenn ich ins Athen fahre. Vielleicht liegt es an den Erwartungen. Ins Athen. Leider nicht nach Athen. Den Ort konnte ich bisher nur durch den Lauf der Geschichte erkunden oder die Augen Liebender, die die Akropolis im Sternenlicht schimmern sahen. »Toren besuchen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen.«, schrieb der frühere Leiter der Herzog August Bibliothek und Schriftsteller Erhart Kästner einmal. Und seine Richtschnur passt zur eigenen Erfahrung: »Kein Land ist gut, in dem man schlecht isst, darauf kann man sich gut verlassen.« Die Esskultur ist gleichsam ein Indikator, wie es um uns bestellt ist. Und da ist, was uns selbst betrifft, ein Blick in die Supermärkte nicht immer erbaulich. Aber wer will, der kann gut essen. Zum Beispiel im Athen und erst recht in diesen Sommertagen, die zwar launig sind wie 15-jährige Pupertanten. Wenn man dann jedoch ein Plätzchen an einem warmen Tag im Hof der Familie Patsiaouras gefunden hat, genießt man diesen umso mehr. Zwischen dem Grau der Steine der alten Bürgerhäuser sprießt fast schon vorwitzig frisches Grün. Der Blick auf die belebte Gliesmaroder Straße mit ihren vorbeizuckelnden Straßenbahnen, die man jetzt modisch bewusst Trams in Braunschweig nennt, wirkt wie ein Gemälde, das durch frisches Grün umrahmt wird.

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Liebenswert und ursprünglich

Petra Patsiaouras hat einen Spieß vorgeschlagen. Einen mediterranen. Erhart Kästner liebte Griechenland. Auch weil das Essen gut ist. »Die griechische Kost ist liebenswert durch einen ländlichen Zug. Auch das verfeinerte Mahl ist aus dem Hirtenmale entwickelt, dessen Gaben bescheiden und schlicht sind, aber geadelt vom Dank, mit dem sie ein jeder genießt.«, schreibt er. Und das am Spieß Gebratene ist ein Beispiel dafür. Aus der Not heraus, denn ohne Topf lässt sich draußen leichter kochen und braten. Während Petra Patsiaouras Zucchini, Paprika, Zwiebeln und Hühnerfleisch zusammensteckt und nebenbei die Reisnudeln zubereitet, überrascht sie mit dem Namen des leckeren Gerichtes, das am Ende noch mit aromatischem griechischen Olivenöl verfeinert und mit Salat und Zaziki serviert wird: mediterrane Hähnchenbrustfiletspießplatte. Das klingt wie der legendäre Donauschiffartsdampfgesellschaftskapitän. Aber zur Not gibt’s im Athen ja auch Nummern an den Gerichten, obwohl ich das immer nicht schön finde. Man bestellt ja nicht eine nackte und kalte Zahl, sondern ein Essen, das mit Liebe und Inspiration gut vorbereitet wurde.

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Der Wasserkefir – eine Entdeckung

Und das ist hier der Fall. Während ich noch den Fotoapparat für die Dokumentation heraushole und bereits den Duft des Essens genieße, füllt sich langsam der kleine Biergarten, obwohl es gar nicht so warm ist. Aus dem rastlosen Getriebe des Alltags stranden die Gäste wie auf einer verwunschenen Insel und wenn sie sich setzen und auf das frische Grün inmitten des alles umschließenden Mauerwerks gucken, geht ein Aufatmen durch die Gestalten, ein Innehalten und man ahnt die Vorfreude auf unbeschwerte Stunden. Zu dem würzig, rustikalen Essen, das durch den hohen Gemüseanteil trotzdem frisch und leicht ist, gibt es heute keinen Wein, sondern eine Neuheit auf der Getränkekarte. Petra Patsiaouras stellt seit einiger Zeit einen Wasserkefir her, der trotz seines ganz leichten Alkoholgehaltes unter 2 % nicht nur ziemlich gesund ist, sondern vor allem auch erfrischend und aromatisch schmeckt. Ich habe die Variante mit einem Minzblättchen gewählt und kann nur raten, sich auf diese Neuheit einzulassen. Denn wenn man ins Athen kommt, ist gefühlt immer gutes Wetter. Und eine kühle Erfrischung ist dann stets willkommen.

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