Der Umwelt zuliebe: Wasser in der Gastronomie gratis?

3. Februar 2018 von
Nach Plänen der EU-Kommission könnte der Konsum von Leitungswasser in der Gastronomie steigen. Wasser ohne Berechnung? Foto: Marc Angerstein

Brüssel/ Region. Mit ihrer neuen Trinkwasser-Richtlinie will die EU-Kommission mehr Vertrauen ihrer Bürger in das Leitungswasser Europas erzielen und damit Plastik- und Glasmüll in Form von Flaschen reduzieren. Eine Idee dabei ist, mehr Leitungswasser in der Gastronomie auszuschenken.

Leitungswasser gehört in Deutschland zu den meist kontrollierten Lebensmitteln. In der Gastronomie wird derzeit in der Regel kein Leitungswasser serviert. Stattdessen gibt es Mineralwasser, still oder mit Kohlensäure versetzt – medium oder sprudelnd. Dieses Wasser wird je nach Art der Gastronomie in Glasflaschen zu Verkaufspreisen zwischen 4,50 Euro und 9,00 Euro gehandelt – damit wird Geld verdient. Viele Wirte, auch in unserer Region, machen den Großteil ihres Ertrages mit Getränken.

In vielen südlichen europäischen Ländern ist das anders. Das Glas Leitungswasser zum Espresso oder Kaffee ist häufig obligatorisch. Allerdings wird Leitungswasser dort häufig auch gratis ausgeschenkt, nur Softdrinks und alkoholische Getränke werden berechnet.

Allerdings haben offiziellen Untersuchungen zufolge rund 80 Prozent aller Europäer Vorbehalte, im Ausland Wasser aus dem Hahn zu trinken. Dabei liegt, nach Auffassung der Europäischen Kommission, das Risiko einer potentiellen Gesundheitsgefährdung bei gerade einmal vier Prozent. Dieses Risiko soll auf unter ein Prozent sinken. Dazu sind strengere gesetzliche Grenzwerte sowie optimierte Wasseraufbereitungs- und Filtermaßnahmen der Wasserversorger vorgesehen. Das Ganze gepaart mit viel Transparenz.  Die Vereinten Nationen (UN) und das Europäische Parlament hatten nach Medienberichten die Kommission aufgefordert, sicheren Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht festzuschreiben.

Wasser in der Gastronomie ohne Berechnung

EU-Experten schätzen, dass durch eine bessere Wasserqualität der Konsum von abgefülltem Wasser um knapp 20 Prozent gesenkt werden kann.  Dies würde die Menge von Plastik- und Glasflaschen, die wir in Europa austrinken und wegwerfen, reduzieren. Deshalb sollen, den Überlegungen der EU-Kommission zufolge, Verbraucher mit wachsendem Vertrauen ins europäische Leitungswasser von Flaschen- auf Leitungswasser umsatteln. Das soll nach grundsätzlichen Überlegungen auch für gastronomische Betriebe gelten. Betriebe, die zumindest in Deutschland, mit abgefülltem Wasser ihr Geld verdienen.  (Leitungs-) Wasser in Restaurants, Gaststätten oder Kantinen ohne Berechnung? Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der EU-Pläne. Interessenverbände, wie der DEHOGA, sind dazu kaum zu vernehmen. Wahrscheinlich, weil die EU-Trinkwasser-Richtlinie keinen verbindlichen Charakter hat. Die Entscheidung, ob daraus verbindliche Gesetze werden, liegt nämlich bei den EU-Mitgliedsstaaten selbst.

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