Der Herd: Früher Mittelpunkt des Hauses – heute Hightech-Gerät

6. Februar 2016 von

Induktion, Gas oder Ceranfeld? Unser Herd hat kaum noch etwas mit dem zu tun, was unsere Urgroßeltern kannten. Kulinarisch38 schaut zurück.

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Man kann auf vielerlei Arten einheizen. Da ist die klassische Ober-und Unterhitze oder vielleicht die separate Unterhitze. Ein Katalog verheißt 3D Umluft plus sowie das Umluft-Grill-System und den Varia-Großflächengrill. Und das ist noch ein ganz normaler, handelsüblicher Herd in der unteren Preisklasse. Ein ganz altes Wort, Herd. Vieles verändert sich in der Sprache. Aber vor rund 2.000 Jahren hätte man unsere Vorfahren bereits danach fragen können. Und sie hätten das Wort verstanden. Was heute hightech-mäßig einprogrammiert werden kann. Früher war es das Zentrum des Hauses. In allen Kulturen. Um den Herd herum entstand das Haus. In grauer Vorzeit gab’s keine Niedrigenergiehäuser, noch nicht einmal etwas in den Fensteröffnungen. Fälle vielleicht. Und um diese Jahreszeit versammelte sich die nähere und weitere Familie schon aus ganz pragmatischen Gründen um die Feuerstelle, auf der vermutlich ein deftiger Eintopf brodelte. Mehr als ein Topf über dem Feuer war eh nicht drin.

Rudolf Epp: An der Herdstelle (1896).

Rudolf Epp: An der Herdstelle (1896).

Hüter des Feuers

Um die offene Feuerstelle wurde später gemauert. Noch später tüftelte der menschliche Erfindungsgeist Kocheinrichtungen, die die Hitze irgendwie in einen Raum bändigten. Ein wenig so wie Prometheus, der den Menschen das Feuer gebracht hatte, verteilte man nun die Wärme. Intelligenz brütet aus, wie man sich am besten gegenseitig umbringen, und wie man es sich beim Überleben gemütlich machen kann. Wir sind schon komisch, wie Menschen. Als in Europa und Amerika die Industrie das Zepter übernahm, das war vor 200 Jahren, da zogen bei den reichen Familien gusseiserne Öfen ein. Beheizt mit Holz oder Kohle. Später mit Gas und Strom. Statt der 3D Heißluft gab es einen Feuerkorb – so wie der heutige Backofen. Oben war ein Haken angebracht, an dem man, je nach Größe der Küche, notfalls einen ganzen Ochsen braten konnte. Von außen konnte das Bratenstück gedreht werden. Das dürfte eine schweißtreibende Angelegenheit gewesen sein für die Bediensteten. Denn die Herrschaft selbst ließ sich bekochen.

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Komplexes Wunderwerk

Ganz besonders findige Köpfe nutzten auch schon die aufsteigende Hitze aus und installierten einen Propeller, der mit Stangen und Zahnrädern die Energie weitergab – und der Braten drehte sich wie von Zauberhand von allein. Unten fing eine Fettpfanne den Bratensaft auf. Die Herde wurden immer kleiner. Vor gut hundert Jahren hielten sie Einzug in die Bürgerhäuser. Ein Feuerraum verteilte die Hitze auf den Backraum und die Herdplatten. Solche Herde gibt es heute wieder zu kaufen. Denn bei einer Krise kann es ziemlich schnell dunkel werden hier. Erdgas und Öl kommen von weit her und nicht jeder hat das Vertrauen, dass der Naschschub dieser Energieträger dann noch gesichert ist. Eingebaut in so einen Herd sind schließlich auch Wasserbehälter. Denn ohne heißes Wasser lässt sich nicht nur schlecht abwaschen.

Mikrowelle, Gas oder Induktion? Wir sind heute ganz schön verwöhnt. So gemütlich wie die alten Herde sind diese modernen Wunderwerke nicht. Aber unsere Urgroßeltern würden uns beneiden, wie viel Arbeit sie uns abnehmen. Und würden nicht ahnen, auf wie viele Arten man einheizen kann.

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