Das Eiscafé Dolomiti ist in Gifhorn zu Hause

5. September 2015 von

Kulinarisch38 verschlug es wieder mal ins schöne Gifhorn. Dort besuchten wir die älteste Eisdiele im Ort und trafen einen sympathischen Eismacher im Eiscafé Dolomiti.

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Der Sommer ist schon wieder vorbei. Wenigstens fast. Die Hagebutten beginnen rot zu werden. Und wenn ein Tief durchzieht, dann ist es ziemlich herbstlich. In Gifhorn regnet es. Die Menschen hasten geduckt durch den leichten Vorhang aus kleinen Wassertropfen, die vom Himmel fallen. Das Dolomiti muss auf der Fußgängerzone gewesen sein, geht es mir durch den Kopf. Das letzte Mal, als ich hier war, da war’s noch nicht mal Sommer, ist mir dieser Schriftzug aufgefallen. Der erinnerte nicht nur an die 50er Jahre. Sondern stammt aus der Zeit. Das war, als die ersten Eisdielen in Deutschland ihre Türen aufmachten. Und als meine Eltern vielleicht zum ersten Mal eine Eistüte mit original italienischem Eis in der Hand hatten. Wirklich über den Brenner ging es erst viel später mit der Familie. Wir entscheiden uns für eine Richtung und suchen die Straße ab. Da muss es sein. Vor dem alten Fachwerkhaus in der Gifhorner Innenstadt sind große Schirme aufgespannt. Und trotz der Nässe sitzen die Gäste gemütlich und trotzen dem schlechten Wetter einen entspannten Augenblick ab.

Giovanni Giacomel

Giovanni Giacomel

Der Chef nimmt sich Zeit im Dolomiti

Die Gründer des Dolomiti kamen von weither nach Gifhorn.

Die Gründer des Dolomiti kamen von weither nach Gifhorn.

Im Eiscafé Dolomiti herrscht betriebsame Geschäftigkeit. »Ich komme von Kulinarisch38. Wir hatten einen Termin?«, frage ich. Die freundliche Antwort: »Der Chef weiß schon Bescheid.« Giovanni Giacomel bedient gerade, nickt den Gästen freundlich zu und wendet sich an uns. Diesmal bin ich mit Verstärkung angerückt. Mein Bruder fotografiert. Ich kann mich auf das Gespräch konzentrieren. Ganz hinten haben wir ein Plätzchen gefunden. Natürlich interessiert uns, wie das alles angefangen hat, damals, Ende der 50er Jahre. Das Thema Flüchtlinge ist in aller Munde heute. Und natürlich sind auch die Eltern von Giovanni Giacomel nicht in den Norden gekommen, weil das Klima hier so schön ist oder die Landschaft. Ganz im Gegenteil. Es war die wirtschaftliche Not, die zum Aufbruch trieb. Wenn der Eismacher von seiner Heimat erzählt, in der er noch selbst aufgewachsen ist, dann spürt man nach wie vor die starke Verbundenheit.

Ein Gummiband zwischen den Welten

»Es ist, als hat man ein Gummiband zwischen dem einen Zuhause und dem anderen«, erzählt Giovanni Giacomel. Bei den Eltern, die fast 40 Dolomiti-3Jahre zwischen den Welten Norditalien, den Dolomiten, und Gifhorn gependelt sind, ist es im Alter gerissen. Man habe vielleicht zwei Zuhause, aber nur eine Heimat, sinniert der Sohn. Jedenfalls leben die Gründer des Eiscafés Dolimiti wieder in jenem Tal, aus dem sie stammten und vor fast 60 Jahren ausgewandert waren. Die wirtschaftliche Situation war schlecht damals. Zwar war der Vater von Giovanni Giacomel selbst nicht Eismacher. Aber in der Gegend war die Kunst des Eismachens viel gerühmt. Und als ein Verwandter, der schon zuvor in die Ferne ausgewandert war, von einem kleinen Städtchen in Niedersachsen berichtete, in der es noch keine Eisdiele gab, da mag der Entschluss des jungen Ehepaares rasch festgestanden haben. Was für ein Wagnis. Der Weg in einen neuen Beruf und in ein fremdes Land.

 

Das Glück versucht

Sie versuchten ihr Glück im hohen Norden. Man sei gut aufgenommen worden, meint Giovanni Giacomel, der als Kind später, als das Geschäft dann aufgebaut war, in der Heimat blieb und nur in den Sommerferien nach Deutschland kam. Man möchte sich gern in die Zeit zurückversetzen, als Conny Froboess »Zwei kleine Italiener« sang. Als Heinz Erhardt seine Späße auf der Bühne trieb. Als unsere Eltern oder Großeltern am Nierentischchen saßen. Die Herren mit Hemd und Krawatte. Die jungen Frauen in ausgestellten Röcken. Ob hier damals aus einer Musikbox Rock’ n roll lief? Die Karte der ersten Stunde kann man jedenfalls noch bewundern. »Früher waren das weniger Eissorten, die die Leute haben wollten«, so Giacomel. Heute soll es vor allem ausgefallen sein. Am Anfang jeder Saison besucht er deshalb die Eismesse in Longamerone, um sich über die neusten Trends zu informieren. »Man hört dann auch von Kollegen, was so läuft, und was nicht«, meint er. Natürlich gäbe es nach wie vor die Klassiker wie Schokolade, Vanille oder Erdbeere. Der Trend gehe jedoch zu modischen Sorten, die ihr Pendant in der Markenwelt haben.

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Im Dolomiti wird mit Früchten gezaubert.

Das Grundrezept bleibt

Ganz egal, was sich ändere, so versichert er aber. Die Grundrezepte von seinem Vater blieben unangetastet. Handwerkliche Herstellung und gute Zutaten seien wichtig für ihn. »Das bedeutet, dass die Sorten nicht immer gleich schmecken. Mal sind die Früchte reifer, mal weniger reif. Und so schmeckt dann auch jede Charge anders«, erklärt Giovanni Giacomel. Im Gegensatz zum industriell hergestellten Eis verzichte man in Gifhorn darauf, das Eis durch Luft künstlich aufzublasen. Während zu Beginn der Dolomiti-Zeit in Gifhorn das Eis die Hauptrolle hatte, kann man jetzt in dem gemütlichen Café alle möglichen Kaffeespezialitäten genießen, Torten oder italienischen Apfelstrudel. Die klassische Eisdiele, die angeblich in der Krise sein soll. In Gifhorn lebt sie. Natürlich sei das kein Selbstläufer, räumt Giovanni Giacomel ein. Man müsse stets umsichtig wirtschaften.

Auch der Klassiker, Spagettieis, geht seit Ende der 60er Jahre.

Auch der Klassiker, Spagettieis, geht seit Ende der 60er Jahre.

Vorausschauend planen

»In den Jahren, wo der Sommer gut ist und das Geschäft läuft, muss man genügend Rücklagen bilden. Das haben wir so von unseren Eltern gelernt«, erklärt Giovanni Giacomel. Und so hat sich das kleine Familienunternehmen jetzt in der zweiten Generation seinen Platz gesichert. Und auch die nächste Generation steht in den Startlöchern.  Giovanni Giacomels Sohn wird den Betrieb wohl übernehmen. Er kennt wie sein Vater und dessen Vater zwei Zuhause und er wird genauso wie sie am Ende der Saison, im Oktober, die Fahrt gen Süden antreten, um in die Heimat zu kommen. Dort holt sich die Familie die nötige Kraft, damit es im nächsten März wieder losgehen kann und die Gifhorner und Eisliebhaber aus der Umgebung sich auf das Eis von Giovanni Giacomel freuen dürfen. Wir dürfen am Ende probieren und sind begeistert (obwohl ich eigentlich nicht so der Eisfan bin). Eine Fahrt nach Gifhorn zum Dolomiti lohnt sich auch von Braunschweig.

Eiscafé Eis Dolomiti
Steinweg 38, 38518 Gifhorn
Telefon: 05371 12886

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