Bollos aus Braunschweig

11. August 2016 von

Bald gibt es sie. »Handgemachte« Bollos aus Braunschweig. Natürlich ist auch eine Maschine mit im Spiel. Und ein sympathischer Mensch, der seinen Traum verwirklicht.

Bollos von Terry Franke.

Bollos von Terry Franke.

»Bollos machen, das hat sich so ergeben«, erzählt Brigitte, Terry Franke. Und während eine Straßenbahn über den Bohlweg rattert, bimmelt und die Autos sich am Schloss vorbeiquälen, muss ich an meine Kindheit denken. An eine Blechbüchse mit Früchten darauf. Eine britische Fahne. Wenn man den Deckel aufpulte – vorsichtig, damit er sich nicht verkantet –, dann staubte es etwas. Mit einer Puderschicht warteten rote, gelbe, grüne und orangefarbene Bollos. Bonbons. Gleich zweimal gut. Terry Franke hatte ich im Lokpark gesehen auf einer Messe. Bonbons oder Bollos oder Bollchen, wie man in Braunschweig sagt, mag ich noch immer. Und so bin ich gespannt auf dieses Projekt. Wir sitzen im Alex bei einer Tasse Kaffee. Die Sonne scheint. Der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite. Es ist nicht zu heiß und nicht so, dass frösteln angesagt wäre. Terry Franke sitzt mir entspannt auf ihrem Korbstuhl gegenüber und erzählt ruhig ihre Geschichte. Seit März letzten Jahres ist das Projekt Bonbonmanufaktur immer konkreter geworden. Und die ersten Probeläufe liefen schon richtig gut. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Über uns ziehen ein paar Wolken hinweg und geben bald wieder den Weg frei für die wärmende Sonne.

Erfahrung in er Selbstständigkeit

Mit der Selbstständigkeit hat Brigitte Franke Erfahrung, berichtet sie. Früher habe sie schon einen Kiosk geführt. Dann habe sie viele Jahre im Außendienst gearbeitet. 19 Jahre waren das. Und schließlich die Frage. Was könnte man anderes machen in dieser Lebensphase. Welche kreativen Entwicklungsmöglichkeiten gibt es? Die Antwort gab ein Zufall der gebürtigen Braunschweigerin. Oder der das Schicksal. Ganz wie man es nennen will. In Dänemark entdeckte sie ein Geschäft mit den üblichen skandinavischen Süßwaren – gedrehte Zuckerstangen, Lutscher, Bonbons. Kurioserweise von einem deutschen Ehepaar geführt, das sich in einer späteren Lebensphase in die Selbstständigkeit gewagt hatte. Dass sie selbst diesen Weg einschlagen würde, war vielleicht nicht sofort klar. Jedenfalls fuhr Terry Franke mit dem Vorsatz nach Hause, selbst einmal Bollos herzustellen. Bücher, eine Zeitschrift und das erste Know-how. Und das erste Ergebnis misslang, wie sie lachend erzählt: »Ich habe vergeblich versucht, die Masse auszurollen und zu schneiden. Aber die Form war nicht wirklich gelungen.« Aber geschmeckt hätten sie.

Bollos-2

Immer weiter üben

Statt aufzugeben, hängte sie sich jetzt erst recht rein. Recherchierte weiter, besorgte Grundzutaten von dem Geschäft aus Dänemark. Es reifte langsam der Entschluss, dass das der Weg für die Zukunft sein könnte. »Im Grunde ist das ganz ideal. Alles, was mit Kundenbetreuung zu tun hat, das habe ich in meiner alten Tätigkeit gelernt. Also war mir die Vorstellung nicht fremd, meine Produkte auf Märkten anzupreisen. Und die Produktion, das ist der stille Teil der Arbeit«, berichtet sie rückblickend. Sie übte, und übte und übte. Bald war ihr klar, dass die Arbeit erst dann wirklich von Erfolg gekrönt sein könnte, wenn sie professionelle Ausrüstung hätte. Eine Bonbonmaschine musste her. Terry Franke kramt ihn ihrer Tasche und holt Fotos hervor. Eine imposante Gerätschaft mit Zahnrad und Kurbel. Ganz so, wie aus der »guten alten Zeit«, als die Hand noch mitspielte bei der Produktion und nicht Automaten. Das sei zwar eine Investition gewesen. »Aber ich hatte das Gefühl, das ist es«, erklärt sie.

Es geht weiter

Zuerst hatte Brigitte Franke nichts von ihren Ideen nach außen dringen lassen. Aber mit der Anschaffung dieser schönen Maschine, fragte sie dann Freunde und Familie. Und die unterstützten sie in ihrem Vorhaben. Seitdem hat sie so manchen Kessel aufgesetzt und beherrscht die Zubereitung der Bollos immer besser. Kompliziert ist es ja. Die richtige Temperatur, die genaue Zeit. Bei der Herstellung von Bonbons ist Genauigkeit gefragt. Seitdem entstehen immer neue Sorten. Zu den Bonbons sind Marchmallows hinzugekommen. »Bei manchen muss man erst Mäusespeck sagen«, dann wissen sie, worum es geht. Nach einem Jahr hat sich die Bonbonherstellung für Terry Franke zur beruflichen Alternative entwickelt. Nach den ersten Probeläufen gibt es Feedback und freudige Gesichter. Denn wer denkt beim Lutschen eines Drops nicht an seine Kindheit. Jedenfalls gelegentlich. Und jetzt im Sommer, wo die Produktion nicht im Vordergrund steht, kann Brigitte Franke neue Ideen schmieden. »Vielleicht wage ich mich mal an Fudge und Karamell. Weingummis sind mir im ersten Anlauf nicht so gelungen« gibt sie freimütig zu. Aber wie es aussieht, lässt sie sich von solchen Rückschlägen nicht beeindrucken.

Die Region wird Brigitte Franke mit ihrem Angebot bereichern. Und ihr eigenes Leben, hat man nach dem Gespräch den Eindruck, sowieso. Mit einigen Tüten Bollos, die ich zum Abschied in die Hand gedrückt bekomme, begebe ich mich ins Parkhaus und fingere beim Fahren gleich eines heraus. Gelb. Die mochte ich früher schon.

Anzeige
Anzeigen
Anzeigen