»Wein & Genuss« im Schlossrestaurant Zentgraf

12. Januar 2016 von

»Wein & Genuss« im Schlossrestaurant Zentgraf – das müsste der ideale Tipp jeder vernünftigen Paarberatung sein. Denn schönere gemeinsame Erlebnisse gibt’s kaum.

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Paarberatung rät das von jeher. Wenn eine Beziehung den Verliebtheitsstatus überschreitet und Alltag und Gewohnheit eintritt, braucht man besondere Augenblicke. Gemeinsame Augenblicke. Am besten nimmt man sie sich konkret vor, trägt sie fix in den Kalender ein, sorgt dafür, dass es nicht bei einer Eintagsfliege bleibt. Ausflüge, Kinoabende, eine Ausstellung und natürlich – wer hätte es bei Kulinarisch38 gedacht 😉 – das Essengehen. Und nicht nur das, sondern das Außergewöhnliche. Man kann essen gehen und essen gehen. Da gibt es die Situation, dass man vom Tag angenervt ist und abends keine Lust mehr zum Kochen hat. Da ist eine Pizza ebenso willkommen wie eine deftige Portion Braunkohl mit Bregenwurst. Hauptsache es stinkt heute Abend nicht nach Kohl und man freut sich schon beim ersten frisch Gezapften oder einem Weinschoppen auf das angenehme Gefühl, sich entspannt zu sättigen. Und dann gibt es eben den Augenblick der Paarberater. Einen Augenblick, auf den man sich freut, dem man entgegenfiebert. Zu dem man sich schick anzieht und die Spannung vor großen Ereignissen fühlt.

Das Erwartetwerden macht glücklich

Da wird man dann, weil gebucht, so empfangen, wie es die »Berühmten und Schönen« wohl immer sein mögen. Das Erwartetwerden ist ein wunderbares Gefühl. Am Eingang und erst recht am Tisch, der bereits romantisch eingedeckt ist. Mit ein paar Rosenblättern, außergewöhnlichen Tellern, kunstvoll gefalteten Servietten und mild flackerndem Kerzenlicht. In einer kleinen Grotte abgeschlossen, wie in einer Rotunde. Im Halbkreis gruppieren sich die gemütlichen Nischen um den kleinen, rot gefliesten Innenraum, der über eine schmale Treppe ein paar Stufen unter die Erde erreicht wird. Roher Stein erzählt von Tagen, als hier kein friedliches Stelldichein stattfand, sondern Wehrhaftigkeit das Ziel war. Die dicken Mauern des Schlosses Gifhorn verengen sich in den Abseiten zu den kleinen Fensteröffnungen, aus denen unerwünschte Ankömmlinge womöglich mit einer Salve ebenso unfreundlich wie wirkungsvoll empfangen wurden.

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Die Magensäfte angeregt

Wir sind im Schlossrestaurant Zentgraf bei so einem besonderen Abend, bei dem man sich schon nach wenigen Minuten angekommen fühlt. Begrüßt. Erwartet und willkommen. Der Aperetif nach Wunsch. Wir mögen Bitteres. Also gibt es etwas mit Angostura. Obwohl die Magensäfte beim Fünfgangmenü »Wein & Genuss« bestimmt nicht angeregt werden müssen. Der Begrüßungstrunk schmeckt trotzdem. Zum deftigen Entenschmalz – das Thema Ente ist ja im Zentgraf Programm – ohnehin. Aus der Küche hört man gern etwas. Besonders, wenn man selbst mal nicht im Einsatz ist. Die Ziegenkäsekügelchen beim Amuse Bouche mit Sesam, Basilikum und Panna Cotta sind erst recht willkommen. Dann der erste Gang. Dreierlei von der Jakobsmuschel mit Limonenöl und Radicchio. Davor kommt ein Gläschen Weißer Burgunder. Eine Spätlese, die nach Birnen duften. Der erste Schluck erinnert ein bisschen an einen Riesling. Nur das die Mineralität hier feiner ist.

Von Muscheln, Reh und Kalb

Zartes Gemüse zur Muschel der Pilger. Kleine Kunstwerke wie die Chips aus Wirsingkohl. Vielfältige Aromen der Saucen, die wie eine Essenz erscheinen. Bei so kleinen Portionen spottet man ja gern, dass das kein Essen zum Sattwerden wäre. Das sagen nur Menschen, die so etwas nicht kennen. Denn Zeit und die Ruhe beim Genießen sorgen am Ende dafür, dass man nicht nur glücklich, sondern auch gesättigt nach Hause geht. Nach dem leichten Fisch folgt in Nussbutter gebratener Rehrücken – die süßliche Nuss, der herbere Wildgeschmack, eine herrliche Kombination. Dazu gibt es Buchweizen, Maronen und Tannenadeljus. Die zarten Rosenkohlblättchen lassen diese kräftige Kohlsorte mal in einem ganz neuen geschmacklichen Licht erscheinen. Dazu gibt es einen Roten aus Apulien. Einen Leone de Castris. Der 2009er Jahrgang passt mit seinen Pflaumennoten bestens zum Wild. Ergänzend und überraschend gleichzeitig sind die leichten Kräuternoten. Diesen Wein wünscht man sich nach dem ersten Schluck im eigenen Weinkeller.

Erfrischung zwischendurch und am Ende

Mit einem Champagnersorbet Ruinart Rose wird Erfrischung serviert, bevor es mit einem Duett vom Kalb kulinarisch weitergeht. In diesem Duett »spielt« eine gefüllte Rolle vom Kalbsrücken mit einem Filet unter Ziegenquarkkruste sowie Trüffelrahmsauce. Kunstvoll geschnitzte Möhrchen, Blumenkohl und Rosenkohlröschen. Ein Traum. Ein Grenache mit zimtigen Noten begleitet den Gang ganz wunderbar. Nach viel Zeit, guten Gesprächen mit Erinnerungen und Plänen folgt einer jener Dessertteller, die man wirklich nicht anfassen möchte. Da leuchten Blaubeeren und Mango farblich um die Wette. Eine Kugel Frozen Joghurt sorgt für Erfrischung, die geeiste Schokolade kracht verführerisch unter dem Gaumen und die Limonentarte unter der geflämmten Baiserhaube setzt dem Glück die Krone auf. Ein Obstler, ein Espresso, ein langer Abend. Der freundliche Abschied von Jörg Zentgraf, der während des Menüs immer wieder erscheint, erklärt und den Abend mit einem freundlichen Lächeln begleitet. So etwas trägt. Ist eine gemeinsame Erinnerung im Grau des Alltags. Jede Paarberatung sollte derlei unbedingt empfehlen. Und Kulinarisch38, auch um Seelenwohl seiner Leser besorgt, tut‘s sowieso.

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